Standortunabhängig startklar: Warum wir unseren Automotive-Bereich technologisch neu organisieren
Standortunabhängig startklar: Warum wir unseren Automotive-Bereich technologisch neu organisieren
FERCHAU Automotive

Standortunabhängig startklar: Warum wir unseren Automotive-Bereich technologisch neu organisieren

Michael Morgenstern / Gerrit Hodemacher
Head of Vehicle Development / Head of CAR IT & E/E, FERCHAU Automotive

Die FERCHAU Group ist europaweit als Technologie-Dienstleister aktiv – for the Next Level: von Maschinen- und Anlagenbau über Energy, Pharma & Life Science, Aerospace & Defence bis IT und Automotive. Die letztgenannte Branche steht in diesem Beitrag im Mittelpunkt. Denn sie befindet sich in einem noch nie gekannten, weltweit wirkenden Transformationsprozess, der tief bis in die technologische Projektarbeit in Deutschland hineinwirkt. Ob bei den sich stetig verkürzenden Entwicklungszyklen oder den hoch vernetzbaren Fahrzeugsystemen.

Wer heute im Bereich Automotive Entwicklungsumfänge verantwortet, muss Mechanik, E/E und Software integriert denken und umsetzen – bei gleichzeitig wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck. In unserem Geschäftsbereich Automotive haben wir daraus eine strategische Konsequenz gezogen: Wir organisieren unsere Einheit so, dass Know-how standortunabhängig verfügbar ist und in unterschiedlichen Projekten eingesetzt werden kann.

Wenn Tempo zur Strukturfrage wird
Entwicklungsdienstleister sind seit jeher eng mit den Organisationen der OEMs und Zulieferer verzahnt. Wir arbeiten projektbezogen mit den Teams zusammen, übernehmen klar umrissene Teilumfänge und bringen spezialisierte Erfahrung in Programme ein.

Was sich in den vergangenen Jahren jedoch verändert hat, ist das Tempo der Umsetzung. Projektumfänge werden präziser zugeschnitten und Fortschritte enger gemessen. Gleichzeitig sind Aufträge weniger beständig und werden schneller wieder eingestellt. Auch international hat sich der Wettbewerb verschärft – technologisch wie wirtschaftlich. Die Risiken für Entwicklungsdienstleister steigen in diesem Marktumfeld dadurch weiter an.

Hinzu kommt die wachsende Systemvernetzung: Mechanik, Elektronik und Software entstehen parallel und in enger Wechselwirkung. Schnittstellen sind kein Randthema, sondern zentraler Bestandteil moderner Fahrzeugsysteme. In dieser Realität entscheidet nicht allein die verfügbare Kapazität, sondern die Fähigkeit, Verantwortung und Arbeitsabläufe so zu organisieren, dass Projekte verlässlich laufen.

Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr: Wie viele unserer Automotive-Expert:innen sind startklar? Sondern: Wie gut ist die Entwicklungsarbeit organisiert? Durch diesen Perspektivenwechsel werden die Entwicklungszyklen zu einer zentralen Währung – was bedeutet das für unsere Organisation?

Warum das Niederlassungsprinzip erweitert wird
Das FERCHAU-Prinzip – mit über 130 Standorten dort zu sein, wo unsere Expertise gebraucht wird – ist seit 60 Jahren eine Besonderheit, die unsere Auftraggeber schätzen. Denn sie profitieren von maßangefertigten Konzepten, passgenauen Umsetzungen, reaktionsschnellen Vor-Ort-Entscheidungen und klaren Projektverantwortlichkeiten.

Weil der sich rasant transformierende Automotive-Markt nach integrierter Systemverantwortung verlangt, greift der obige Kundenvorteil nicht mehr in aller Gänze. Denn wenn unsere Standorte vielschichtige Kompetenzen bieten, diese aber lokal gebunden sind, verringert sich die fachliche Flexibilität und Schnelligkeit.

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Der Schritt zur Fachorganisation
Heute organisieren wir unser Automotive-Geschäft entlang der fachlichen Expertise. Dafür haben wir zwei übergreifende Kompetenzbereiche definiert:

Im Zentrum »Vehicle Development« bündeln wir die klassischen Umfänge von Konstruktion und Simulation über Testing / Validierung bis hin zu Projekt- und Produktionsmanagement – organisiert in fachlich klaren Einheiten wie Powertrain & Thermomanagement, Werkstätten / Lifecycle / Prototypenbetrieb, Testing / Validation sowie Project & Production Management.

Im Bereich CAR IT & E/E verantworten wir Softwareentwicklung mit eigenen Methoden, System Engineering, Bordnetzentwicklung, Cybersecurity, KI-Anwendungen sowie moderne Speicher- und Energiekonzepte und Automatisierungslösungen – ergänzt um angrenzende Disziplinen wie UX/UI, die für digitale Fahrzeugfunktionen relevant sind.

Damit folgt die neue Struktur der technologischen Realität: Wir bündeln Expertise thematisch, damit wir sie deutschlandweit führen und projektbezogen einsetzen können. So liegt die fachliche Verantwortung beim Thema – nicht beim Standort.

Für unsere Kunden bleibt die Zusammenarbeit dabei stabil. Ansprechpartner:innen und die operative Präsenz vor Ort bestehen weiter. Was sich verändert hat, ist die interne Struktur im Hintergrund: Kompetenz wird konsistenter aufgebaut, Referenzen werden klarer zugeordnet und Teams zielgerichteter zusammengestellt.

Wettbewerbsfähigkeit neu definieren
Unter wachsendem Preis- und Innovationsdruck öffnen sich Kunden zunehmend für international organisierte Entwicklungsarbeit. Einkaufsorganisationen bewerten nicht nur Stundensätze, sondern prüfen Referenzen, Kompetenzprofile und die Fähigkeit, komplexe Umfänge integriert zu steuern. Gleichzeitig werden Entwicklungsanteile global verteilt. Modelle wie »Best Cost Country« gewinnen dadurch an Bedeutung – sowohl innerhalb Europas als auch über Offshore-Standorte. Diese Dynamik lässt sich nicht durch eine interne Reorganisation umkehren.

Unsere Antwort: durch Klarheit in der Spezialisierung. Wettbewerbsfähig ist, wer in definierten Themenfeldern nachweisbare Tiefe aufbaut, Referenzen konsistent entwickelt und Verantwortung strukturiert führt. Sichtbare Kompetenz schafft Verlässlichkeit. Die ist wiederum die Voraussetzung für belastbare Partnerschaften.

Ergänzend stärken wir unsere Prozessleistung. KI-gestützte Werkzeuge helfen, Routinetätigkeiten zu reduzieren und Entwicklungsabläufe effizienter zu gestalten. Mit der FERCHAU AI Core Group bringen wir diese Methoden gezielt in unsere Projekte ein und entwickeln konkrete Anwendungen gemeinsam mit den Fachbereichen.

Internationale Entwicklungsanteile ergänzen dieses Modell – insbesondere bei klar geschnittenen Aufgaben. Auch wir bauen unser Best-Cost-Country-Modell weiter aus und nutzen dazu unter anderem Standorte in Polen und Spanien sowie Kooperationen in Indien. Die fachliche Steuerung und Systemverantwortung bleiben jedoch in einer Organisation verankert, die Kompetenz bündelt und strategisch weiterentwickelt.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wodurch differenziert sich ein europäischer Technologie-Dienstleister wie FERCHAU heute im Automotive-Wettbewerb?

Kompetenzentwicklung als Daueraufgabe
Struktur allein garantiert noch keine technische Aktualität. Technologien, Tools und Anforderungen verändern sich permanent – und wer »State of the Art« liefern will, muss Wissen systematisch in die Organisation bringen.

Deshalb setzen wir neben Recruiting bewusst auf interne Weiterbildung und strukturierte Kompetenzpfade. Neue Themen – etwa in Software, E/E-Architekturen oder KI-gestützten Methoden – bringen wir aktiv in unsere Teams ein und bauen sie dort weiter auf.

So stellen wir sicher, dass Projekte nicht nur gut organisiert sind, sondern auch technisch am Puls der Zeit umgesetzt werden.

Fachliche Führung als strategischer Maßstab
Mit der fachlichen Neuaufstellung richten wir unseren Geschäftsbereich Automotive konsequent auf die neue Logik moderner Fahrzeugprogramme aus. Unser Anspruch ist klar: Entwicklungsumfänge integriert führen, Spezialisierung gezielt vertiefen und Kompetenz so organisieren, dass sie in Projekten schneller Wirkung entfaltet.

Wir bauen Themen systematisch aus, entwickeln Referenzen über Projekte hinweg weiter und stärken unsere Rolle als verantwortlicher Partner. Die Organisation gibt dafür den Rahmen, damit technologische Tiefe, wirtschaftliche Stabilität und Geschwindigkeit zusammenwirken.

Die Automobilindustrie wird ihre Taktung weiter erhöhen. Software, Systemintegration und internationale Vergleichbarkeit bleiben prägende Kräfte. Als etablierter Technologie-Dienstleister, der für seine Kunden stets »for the Next Level« arbeitet, richten wir unser Automotive-Segment so aus, dass unsere fachliche Tiefe und projektführende Stärke auch in Zeiten des Wandels verlässlich wirken. Genau davon profitieren unsere Kunden – heute und in Zukunft.

Dr. Wolfgang Eckelt, High Performance | Top Company Guide